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Älterwerden - Gedanken von Joe Handke

Bild des Benutzers EMIL-Redaktion

Älterwerden  gehört  zum  Leben.  Kein Mensch wird jünger. Und da gibt es Menschen, die in der Mitte ihres Lebens in eine Krise geraten, weil sie das Älterwerden spüren und in Panik geraten. Ich habe das so nicht erlebt. Für mich ist das Älterwerden ein  immer  neuer  Lern-  und Reifungsprozess. Niemand hat je ausgelernt. Wenn ich z.  B.  einen  Gottesdienst  halte,  nehme  ich gerne die alten Lieder, weil sie mir vertraut sind.

Ich  habe am Älterwerden Freude, weil ich merke, das Leben genießen zu können, jeden Tag aufs Neue. Und da sagt doch der Christian, na Sie wissen schon, unser Pfarrer,  du  siehst  wie  62  aus,  ha,  ha.  Ich  bin 74 Jahre alt und dazu stehe ich. Natürlich nehmen mit meinem Älterwerden die Wehwehchen zu, auch bei mir, aber darüber zu jammern bringt gar nichts. Ich lege jeden Morgen mein Leben in Gottes Hand und am Abend danke ich ihm für den vergangenen  Tag.    Rudolf  Rolfs  schreibt: „Am Sonntagnachmittag gab es bei Wegeners zwischen ihm und ihr folgenden Dialog:  Er,  Wegener:  „Der  Mann  muss  doch fast siebzig sein!“ Sie: „Ich halte das für gut möglich.“ „Vielleicht ist er auch schon …“ - „Ist doch wohl nicht dein Ernst …“ „ ... über siebzig. Das kann man ruhig mal sagen.“ Sie: „Aber eins muss man ihm lassen, Charme hat  er  und  eine  sinnliche  Ausstrahlung.“ „Jetzt fang du auch noch an, ein Siebzigjähriger! Sind dir meine 55 zu jung?“ Sie: „Ich meine  doch  nur,  interessant  ist  der  Mann schon ...“ „Ein Greis“! Nun frage ich mich, was die sinnliche Ausstrahlung ist. Lebenserfahrungen? Weisheit? Güte? Sexappeal? Oder bei sich selbst angekommen zu sein?Manchmal mache ich mir Gedanken darüber, wie mein Lebensende aussehen  wird, aber auch da verlasse ich mich auf meinen Gott - an wen sollte ich mich sonst wenden? Ich genieße das Leben jetzt in vollen Zügen und dafür bin ich sehr dankbar. Für mich ist der 23. Psalm der trostreichste überhaupt. Lesen Sie ihn einmal, er ist wunderschön. Da ist einer, dem mein Leben wichtig ist, der mich  auch  durch  dunkle  Täler  trägt,  oder mich  an  einer  frischen  Quelle  zur  Ruhe, zum Aufatmen kommen lässt.  Ich erinnere mich an eine Beerdigung vor vielen Jahren, da hat eine Mutter ihr viertes Kind beerdigt. Heirate doch einen Archäologen! Je älter du wirst, um so interessanter findet er dich.Agatha Christie (1890-1976; sie war mit einem Archäologen verheiratet.

Ich habe sie gefragt, wie sie das bewältigen würde.  Sie  sagte:  „Nur  mit  meinem  Gott, sonst würde ich verzweifeln.“ In dem Lied „Näher mein Gott zu dir“ geht die  dritte  Strophe  folgendermaßen:  „Geht auch die schmale Bahn aufwärts gar steil, führt  sie  doch  himmelan  zu  meinem  Heil. Engel, so licht und schön, winken aus sel‘gen Höhn: Näher mein Gott zu dir, näher zu dir. Ist mir auch ganz verhüllt dein Weg allhier, wird nur mein Wunsch erfüllt: Näher zu dir! Schließt dann mein Pilgerlauf, schwing ich mich  freudig  auf:  Näher  mein  Gott  zu  dir, näher zu dir.“ Gelernt habe ich das Lied von der verstorbenen Frau Mauthe. Immer erschreckt die Menschen das Sterben, weil es so widersinng erscheint, weil es uns feindselig begegnet, weil wir uns ohnmächtig dagegen zu wehren versuchen und doch wissen: Wir werden unterliegen. Als Jesus zum Tod ging, erschraken die Herzen der Jünger aufs Tiefste. Oh, wenn ich das fertigbrächte, mich mit dem Tod zu unterhalten, dann hätte ich auch keine Angst mehr vor ihm. Die Auferstehung ist ein neues, unvorstellbares Leben aus der Tiefe der unendlichen Weisheit Gottes.

Unsere  Gesellschaft  altert  und  hat  dafür keine Kultur. So  kann  ich  Ihnen  nur  sagen:  Meine  Antwort  aufs  Älterwerden  heißt:  Gottglaube. Als letztes zitiere ich Martin Gutl, einen katholischen Priester, der nur bei den Ärmsten und  Kranken  sein  Leben  verbrachte  und deshalb  immer  wieder  Auszeiten  nehmen musste,  um  neue  Kräfte  zu  sammeln.  Mit 58 Jahren hat ihn Gott heimgeholt in seine Ewigkeit. Er schrieb: „Wenn Gott uns heim bringt, das wird ein Fest sein! Wir werden einander  umarmen  und  zärtlich  sein.  Es werden lachen nach langen Jahren der Armut,  die  Hunger  gelitten.  Es  werden  singen nach langen unfreien Nächten, die von Menschen  Gequälten.  Es  werden  tanzen die Gerechten, die auf Erden kämpften und litten für eine bessere Welt. Den Verirrten werden die Binden von den Augen genommen, sie werden sehen. Die Suchenden finden endlich ihr du und niemand quält sich mehr  mit  der  Frage  „Warum“.  Es  werden verstummen, die Gott Vorwürfe machten ... Wir werden schauen, ohne je an ein Ende zu kommen. Wenn Gott uns heimführt, das wird ein Fest sein, ein Fest ohne Ende.

Wie immer Ihr Rentner-Diakon

Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest
mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

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