Die Parispartnerschaft mit „La Résurrection“

„So etwas darf nie wieder passieren“ – darüber waren sich auch die Lutheraner in Paris einig, nachdem sie vor den Trümmern des 2. Weltkrieges standen. Und suchten nicht Rache und Vergeltung, sondern leisteten unschätzbare Friedensarbeit, indem sie auf deutsche Glaubensbrüder und –schwestern zugingen und ihnen die Hand reichten. Es entstand die Partnerschaft zwischen Paris und München – und für die damals junge Dankeskirche war es ganz klar, dass sie hier dabei sein will.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Frankreichs (EELF) gibt es erst seit 1872 – mit der Teilung des Elsass in einen französischen und einen deutschen Teil. Die Gemeinde „La Résurrection“ wurde dementsprechend von Familien gegründet, die aus dem Elsass nach Paris gezogen waren. Die Namen auf der Gedenktafel der Opfer des 1. Weltkrieges waren fast ausnahmslos deutsch. Und auch heute noch sind die Lutheraner in der Minderheit – in ganz Frankreich gibt es 35.000 Mitglieder. Die reformierte Kirche zählt 111.000 Anhänger.

Derzeit laufen auch Verhandlungen, ob sich die Lutheraner nicht der reformierten Kirche nähern sollen. Darin sehen manche die Chance, etwas mehr Bedeutung und Gewicht innerhalb der Gesellschaft zu erlangen. Andererseits soll versucht werden, das Gedankengut und die Lehre Martin Luthers zu bewahren. Eine schwierige Aufgabe, die in den nächsten Jahren gelöst werden soll. Heute ist „La Résurrection“ das, was man gemeinhin als Multi-Kulti-Gemeinde bezeichnen kann: Pasteur Laza Nomenjanahary und seine Familie kommen aus Madagaskar. Die Koreanischen Christen fühlen sich in der Kirche genauso wohl wie Deutsche oder Amerikaner. Ein buntes Volk eben. Das Kirchengebäude in der Rue Quinault ist von außen kaum erkennbar. Denn es ist Teil der Fassade eines Schulgebäudes und von Mauern. Die Straße ist so schmal – es ist schier unmöglich, ein Foto davon zu machen.

Kirchensteuern gibt es in Frankreich nicht – der Pastor finanziert sich aus Spenden. Ohne seine zusätzliche Arbeit als Seelsorger in einer Psychiatrischen Klinik und den Job seiner Frau könnte er wohl gar nicht leben. Und dennoch ist die Gemeinschaft groß. Nach dem Sonntagsgottesdienst wird oft gemeinsam gegessen und getrunken. Das Buffet lässt keine Wünsche offen – und die Speisen sind so vielfältig wie die Kulturen der Gemeindeglieder. Ein Gläschen Rotwein, aufwändig zubereitete Pasteten, frische Salate – was das Herz so begehrt. Die Gemeinschaft ist wichtiger als der abblätternde Putz oder der akkurat gereinigte Kirchhof.

Jedes Jahr findet die Lutherische Begegnung statt. Abwechselnd in Paris und in München. Eigentliches Ziel war zwar ursprünglich sich hauptsächlich in Glaubensfragen auszutauschen. Heute steht die Freundschaft mit den Gemeinden im Vordergrund. Aber das Programm beschäftigt sich doch noch mit religiösen Themen: dieses Frühjahr stand es ganz im Zeichen moderner religiöser Architektur. Es wurden drei Kirchen besucht, die um das Jahr 2000 gebaut und eröffnet worden sind. Bemerkenswert für ein Land, in dem Staat und Kirche streng getrennt sind. Eine Besonderheit ist die Freundschaft zwischen der Dankeskirche und „La Résurrection“ aber auch für Paris: Jedes Jahr fährt eine Gruppe der Dankeskirche in die französische Hauptstadt, um gemeinsam das Reformationsfest zu feiern. Annelore und Udo Erhardt, aber auch Margot Müller haben diese Freundschaft, die hoffentlich auch in Zukunft bestehen bleibt, über die Jahre gepflegt. Wir sollten uns die Chance nicht entgehen lassen neue Impulse zu bekommen und den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen. Es ist sehr spannend, den besonderen Zusammenhalt in der Diaspora zu sehen. Auch von der guten Organisation der Ehrenamtlichen könnten wir Einiges lernen.

Und: Freunde kann man nie genug haben.

 

Nachdem es in La Résurrecion derzeit kein aktives Gemeindeleben mehr gibt, ruht die Partnerschaft.

 

 

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